Gedanken in Jaipur

Konzert im Park

Konzert im Park

Mit dem Bus gehts zum Zug, mit dem Zug in die Hauptstadt Rajhastans. Am Bahnhof quetschen sich hunderte aus beiden Richtungen durch eine kleine Lücke im Zaun. Tatsächlich bin ich irgendwann samt Rucksack durch. Wir entfliehen den Tourikommissionsfängern, entscheiden uns zu Fuß auf Hostelsuche zu gehen.
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Pushkar

Sonnenaufgang in Pushkar

Sonnenaufgang in Pushkar

Lautes Geschrei. Ich wach auf, drei Uhr nachts. Der Fahrer steht vor unserer Schlafkabine. Wir sind da.
Außer uns stehen drei Leute an der Haltestelle, ein Rikshafahrer. Für indische Verhältnisse ist die Stadt ausgestorben. Wir sind müde, lassen uns zum Hotel fahren, kein Zimmer frei. Ich wandre durch die Straße, klopfe an Hosteltüren, versuch uns einen Schlafplatz zu finden. Letztendlich landen wir in einem Zimmer mit Viererbett und eigenem Bad, kein Wifi, dafür unser günstigstes Zimmer bisher.

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Es ist schon seltsam..

Ein glücklicher junger Stern
Es ist schon seltsam, selbst wenn du mir schreibst, ohne dass wir uns sehen können, ohne Spiegelneuronen und ohne die Gewissheit, dass die wichtigen Worte ankommen, ist es als hältst du mir einen Spiegel vors Gesicht, die Seele, was auch immer.

Weißt du, was mir gerade passiert, ist das Gefühl zu haben anzukommen. Endlich. Ich sitz grad im Bus, es wackelt, ich schau aus dem Fenster, seh unfertige Backsteinhäuser, Straßenverkäufer, große gelbe und grüne Flächen und bin in mir zufrieden. Nicht weil ich wirklich hier räumlich ankomm und Indien mein neues zu hause wird (also, vlt. ein bisschen), sondern weil ich ruhig bin, weil soviel Druck weg ist, weil ich Zeit hab und mich frei fühl.

Du hast sehr recht, wenn du vom nicht freien los ziehen schreibst, und irgendwie haben wir ja auch viel darüber gesprochen. Ich bin also nicht frei los gezogen, Es sind aber nicht nur Strumpfhosen, es gibt Eltern die Weihnachten nicht ohne mich sein wollen, Omas die alleine sind und sich große Sorgen machen, einen Bruder der 30. Geburtstag hat, einen besten Freund dessen Trauzeuge ich bin, einen Menschen der sagt er würde alles tun um wieder ein leben mit mir zu teilen. Und dich, die du von meiner Wirkung auf Menschen schreibst.

Es gibt einen weg Richtung Freiheit, auf dem bin ich gewandelt als ich in Schweden war, davor und danach. Einen Weg der Einsamkeit, des Loslassens, des Verbindungenkappens. Den bin ich ziemlich extremistisch gegangen. Du hast mir gesagt wie viel ich auf diesem Weg verpasse. Ich weiß/wusste das es nicht der Weg zu meinem Ziel ist, er hat mich aber sehr viel näher gebracht und wird das auch in Zukunft. Aber es ist Zeit langsamer zu gehen. Die oben aufgezählten Dinge machen mir keine Angst, nicht das Gefühl unfrei zu sein. Sie freuen mich, wenn ich sie Wege nenne, werde ich einige eine Weile gehen, andere nicht und jeden werde ich irgendwann verlassen, wenn ich fühle das er mich nicht mehr in die richtige Richtung führt.

Ich hab mich von genug Dingen, Menschen, Wegen getrennt um mich wieder in mir zu hören. Bin also wirklich irgendwie am Ankommen wo ich hin wollte.
Bin ich also frei? Zu einem großen Teil. Bin ich unfrei? Zu einem großen Teil freiwillig.
Viel wichtiger aber ist die Ruhe die ich anfange zu finden.

Jaisalmer

Die Wüstenfestung

Die Wüstenfestung

Um halb sechs kommen wir an, müde. Unser Hostelbesitzer steht direkt am Gleis. Gottseidank. der Bahnhof wimmelt von Tourifängern, am Bahnhofstor sieht es aus wie am Flughafen, ein Haufen Menschen mit Hotelschildern. Wir sind froh einmal nicht handeln zu müssen, lassen uns zum Hostel fahren und schlafen. Frühstücken, checken ein. Im preis ist ein Poolbesuch in einem andern Hotel enthalten. Wir freuen uns, lassen uns hinfahren, haben Spaß im Pool, den Rest des Tages les ich, schreib. Ein bisschen wie Urlaub, nach dem ganzen Reisestress.

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Jhodpur

Kuh im Müll

Kuh im Müll

Morgens machen wir uns auf zum Busbahnhof, wir wollen nachJhodpur. Wir versuchen es günstig, mit dem indischen Linienbus. Beim warten werden wir von einer Gruppe indischer Mädchen beäugt, irgendwann lächeln sie uns zu, winken, wir quatschen.Versuchen es. Sie sprechen kaum Englisch, wir kennen nur drei Hindu Wörter. Sie spielen Basketball, sind auf dem weg zum Auslandsspiel. Zum Abschied gibts ein Gruppenfoto. Nach einer Stunde warten erfahren wir; dass der Bus einen Unfall hatte und nicht kommt, wir müssen einen anderen nehmen, einmal umsteigen.

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Udaipur

Sonnenuntergang in Udaipur

Sonnenuntergang in Udaipur

Morgens brechen wir auf zum Bahnhof. Nach unseren Erfahrungen mit Ticketagenten und Reisebüros haben wir keine Reservierung und wollen das Ticket direkt am Bahnhof kaufen. Der nächste Zug fährt erst nachts. Ticketagenten bieten uns Busplätze an, wir fahren mit der Riksha zum Busbahnhof, der Fahrer hält vor einem Reisebüro, wir sind nicht begeistert, er merkt Es und fährt uns zum Busbahnhof. Je näher wir dem Ticketschalter kommen desto günstiger werden die Preise die uns die Ticketagenten anbieten. Kurz vor dem Schalter bietet uns ein Agent die Tickets fast zum Preis der Zugtickets an. Wir sagen nein. Er geht, zwei Minuten später kommt er zurück, die Tickets sind günstiger. Wir sagen ja. Ich gewöhne mich ans handeln, es ist wie ein Spiel und kann tatsächlich Spaß machen.

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Life Is A Loop

Das Bild "Life Is A Loop" von Piz

Der Looping des Lebens

Wie oft muss ich Dinge begreifen die ich längst begriffen hab.
Wie viele Kilometer muss ich reisen, wie viele Menschen zurücklassen um zu lernen, was ich längst weiß.
Wie weit muss ich gehen bis ich endlich genug hab, endlich einsehe, dass es reicht.
Wie oft muss ich mich das noch fragen. Nicht einmal mehr!
Und doch, tu ich es doch.
Was fehlt denn?
Nichts, nur meine Entscheidung.
Wie so oft. Wie jedes mal.
Mich nicht entscheiden zu können,
nicht entscheiden zu wollen,
welchen Weg ich nehme,
welches Leben ich lebe,
wer ich überhaupt bin.
Das zu begreifen,
hunderttausende male,
und noch hundert mal mehr.
Bis ich mich endlich entscheide zu begreifen,
dass ich niemals eine Entscheidung treffen werde.
Es gibt kein Ende.
Das ist mein Weg.
Ich hab mich entschieden.
Also hoff ich, dass die Welt mich zur Entscheidung nötigt
und fliehe doch vor allem was mich zur Entscheidung drängt.
Bis zu dem Moment, dem winzigen Augenblick,
in dem ich zum Schöpfer werde
und mich entscheide.
Zu begreifen, dass man nichts durchs Entscheiden verliert,
dass Entscheiden und Schöpfen einander entspricht,
und ich das Entscheiden zukünftig lieber bleiben lass,
solang ich nicht weiß was die richtige Entscheidung ist.
Dann werf ich alles bisher gewusste über Bord
und beginne von vorn.
Bis ichs begriffen hab.

Im übrigen ist das Nachdenken und das Benutzen von Wörtern kontraproduktiv.

Ahmedabad

Ahmedabad HostelUm 6:00 Uhr morgens kommen wir ihn Ahmedabad an. Der Bahnhofvorplatz ist voll von Autorikshas – Mopeds mit drei Rädern, Dachplane und Platz für vier Leute, bei Bedarf passen auch mehr rein. Wir wollen zum Hostel Cadilac, laut Lonely Planet billig und runter gekommen, 200rs pro Nacht. Der Rikshafahrer kennt günstigere. Letztendlich landen wir zu viert auf einem Dreierbett, 450rs insgesamt, samt Ventilator, Scheißloch und Kakerlaken. Auf dem Flur schlafen Leute auf dem Boden, die uns freundlich begrüßen.
Nach ein paar Stunden Schlaf geht es Frühstücken, ich notier die Namen der Speisen und mach Fotos. Wir laufen durch die Stadt. Menschen grüßen uns, winken aus Rikshas, schütteln uns die Hände, wollen uns Dinge verkaufen, sind freundlich. Wann immer wir etwas fragen kommen Menschen die uns helfen wollen.

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Manchmal gibts Momente ..

Ein glücklicher junger Stern
Manchmal gibts Momente im Leben, da denk ich an einen speziellen Menschen. An dich zum Beispiel. Weil ich ein Lied hör was mich an dich erinnert zum Beispiel. Heute zum Beispiel. Dann denk ich an dich, zum Beispiel, dass du ja eigentlich eine Waldelfe bist und dann hoff ich, dass du in der trostlosen düsteren Welt da draußen einen Platz gefunden hast an dem du glücklich sein kannst. Etwas gefunden hast, dass deine Welt bunt färbt und mit Freude füllt.
Und nur zur Sicherheit versuch ich dann, zum Beispiel mit einer Nachricht und ein paar hilflosen Wörtern, ein bisschen bunte Freude zu dir zu schicken..