Vier Nächte in Delhi

Fleischstand am Strassenrand

Fleischstand am Strassenrand

Diesmal fahren wir ohne Sitzreservierung in der günstigsten Klasse. Mit unseren Riesenrucksäcken drängeln wir uns ins Abteil, versuchen das Gepäck irgendwie unter die Sitze zu schieben. Ich schaffe es eine halbe Arschbacke auf einen Sitz zu bekommen. Nach zwei Stunden sitz ich ganz, nach vier Stunden sind wir da. Man gewöhnt sich, nach vier Wochen harten Betten, wenig Platz und ständigem Lärm – fand ich die Fahrt ganz angenehm.
In Indiens Hauptstadt Delhi verbringen wir vier Nächte. Die Stadt ist riesig, versmogt, laut, mein Touriattraktionsbedarf hält sich in Grenzen, tagsüber beschränke ich mich aufs Lesen und Essen gehen. Abends ist es dafür umso schöner, wir finden eine Bar mit günstigem Bier und lauter Musik, freuen uns, scheitern aber auf der Suche nach einem Club.

Den zweiten Abend betrinken wir uns. Ein Mädchen aus Frankreich schließt sich uns an, wir spielen Trinkspiele mit Wodka und Rum, lachen und sind laut bis in die Nacht und bis wir vom Hotelbesitzer gebeten werden ruhig zu sein, die anderen Gäste würden sich beschweren.

Tag Nummer drei gehen wir schick essen. G. hatte ja Geburtstag und seine Eltern haben ihm Geld überwiesen um uns einzuladen. Zusammen mit dem Mädchen aus Paris und einem Argentiner den wir schon in Jaisalmer und Pushkar getroffen haben geht es in ein rotierendes Restaurant mit Ausblick über die ganze Stadt. Theoretisch zumindest, dank des Smogs sieht man nur zweihundert Meter weit. Im Vergleich zu unseren gewohnten lowcost Reisen lassen wir uns verwöhnen wie Könige. Es gibt Vorspeisen und wir trinken Wein. Wir sind die einzigen Touristen, um uns essen definitiv wohlhabendere Inder in feinen Kleidern. Nach dem leckeren Essen geht es ein Stock aufwärts – eine Disco! Zwar ist außer uns kaum jemand da, wir sind trotzdem begeistert und tanzen bis um 12 die Musik ausgemacht werden muss. Zum Abschluss rufen wir G. Eltern an und rufen Vielen Dank durchs Telefon.

Märchen

Märchen

Am letzten Abend gehen wir zu einem Couchsurfer-Meeting, treffen freundliche Menschen aus aller Welt, quatschen, lassen uns Reisetipps geben. Es sind Leute aus Delhi da die um die Welt gereist sind, couch-gesurft sind, in Europa studiert haben, ein Deutscher der in Indien arbeitet und einige Inder die uns begeistert von den vielen Menschen erzählen die schon auf ihren Sofas geschlafen haben und uns einladen sie auch zu besuchen. Sollte ich in der fernen Zukunft auch einmal wieder eine Couch haben werde ich sie definitiv zum übernachten freigeben.

Abends sind wir noch mit einem Inder nach Hause der auch in Deutschland studiert hat. Ein Ausflug ins reiche Indien –  eine bewachte Siedlung, Straßen ohne Müll und Gestank. Auf der Dachterrasse des Hauses treffen wir einige seiner Freunde, trinken zusammen, quatschen. Alle waren schon in Europa und sind äußerst nett. Es gibt hier sogar einen Späti und davor einen Haufen Jugendliche die Bier trinken. Und ich werde Zeuge meiner ersten Schlägerei in Indien. Nachts, in der Gated Community, betrunkene Jugendliche.

Delhi Strasse

Delhi Strasse

Mit der Riksha fahren wir zurück ins normale Indien. Im Hostel rauchen wir zusammen eine letzte Tüte. Nach genau einem Monat trennen sich unsere Wege und ich werde allein weiterreisen, Richtung Norden. C., G. und N. reisen in Richtung Nepal. Zum abschied umarmen wir uns, die andern sagen liebe Worte und in mir spüre ich wie lieb sie mir doch geworden sind und was wir für eine schöne Zeit zusammen hatten. Danke dafür, ich wünsche euch das beste und hoffe unsere Wege kreuzen sich in der Zukunft!




 

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