Udaipur

Sonnenuntergang in Udaipur

Sonnenuntergang in Udaipur

Morgens brechen wir auf zum Bahnhof. Nach unseren Erfahrungen mit Ticketagenten und Reisebüros haben wir keine Reservierung und wollen das Ticket direkt am Bahnhof kaufen. Der nächste Zug fährt erst nachts. Ticketagenten bieten uns Busplätze an, wir fahren mit der Riksha zum Busbahnhof, der Fahrer hält vor einem Reisebüro, wir sind nicht begeistert, er merkt Es und fährt uns zum Busbahnhof. Je näher wir dem Ticketschalter kommen desto günstiger werden die Preise die uns die Ticketagenten anbieten. Kurz vor dem Schalter bietet uns ein Agent die Tickets fast zum Preis der Zugtickets an. Wir sagen nein. Er geht, zwei Minuten später kommt er zurück, die Tickets sind günstiger. Wir sagen ja. Ich gewöhne mich ans handeln, es ist wie ein Spiel und kann tatsächlich Spaß machen.

Vom Ticketagenten werden wir per Riksha ans andere Ende der Stadt gefahren. Es wartet ein komfortabler Reisebus. um unser Gepäck einzuladen muss erst die Kuh die den Kofferraum blockiert verjagt werden. Ich chill mich in den Sitz, höre Musik, schau mir das Treiben auf den Straßen an, schreibe. Auf halbem Weg machen wir Rast, ich esse in einem Straßencafé, ein Inder fragt mich nach meinem Namen, schenkt mir eine Nelkenzigarette, von meiner Cola will er nichts. Zurück im Bus, bieten mir die beiden vor mir etwas zum kauen an, ich danke. Hart, wie Baumrinde, schmeckt nach Räucherstäbchen und Minze. Komisch aber gut. Ich höre Musik, schreibe, genieße die Aussicht.

Udaipur (3)Die Landschaft wird hügeliger, der Fahrtwind ist angenehm kühl. Der Bus hält, der Fahrer ruft nach hinten, unsere Haltestelle. Mit Rikshas fahren wir in die Stadtmitte, vorbei an Geschäften und Straßenverkäufern. es sind mehr ausländische Touristen hier. Es geht bergauf und bergab. Ich mag die Stadt. Wir werden zu einem günstigen Hotel gefahren. Ich bekomme die Zimmer gezeigt, verhandle, die Zimmer werden günstiger, noch immer zu teuer, wir laufen weiter, der Besitzer läuft uns nach, die Zimmer sind noch günstiger. Noch immer zu teuer. Wir kommen zum nächsten Hostel, das gleiche Spiel, letztendlich nehmen wir zu viert ein Zweibettzimmer, zwei Extramatratzen, zwei Euro pro Person, mit richtiger Toilette, ohne Ungeziefer, vor dem Fenster das Dach des Tempels. Es gibt eine Dachterrasse, die höchste. der Ausblick ist atemberaubend. Wir sehen Tempel, Paläste, einen See mit einer Palastinsel. Wir trinken Bier, rauchen, sehen den Sonnenuntergang und wie die Bauten nach und nach beleuchtet werden. Wir laufen durch die Stadt, die Verkäufer sprechen Worte in deutsch, französisch, italienisch. Die Stadt scheint wohlhabender zu sein. Ein Schneider quatscht uns an, C. ist interessiert an einem Anzug für ihren Vater. Wir fragen ihn nach einem guten günstigen Restaurant. Er bringt unS, wir erklimmen einen Turm, auf den Treppen sagt er uns man könne beim Kellner auch Hasch kaufen.

Wir essen auf einer Dachterrasse, können unsere sehen, das Essen ist lecker, günstig, der Kellner freundlich, macht Witze, hat uns beim verhandeln mit den Hostelbesitzern gesehen. Er macht uns eine Haschshisha. Wir bezahlen sie zusammen mit der Essensrechnung. ich mag die Stadt. Ich höre MsMr, denke an ein Mädchen deren Erinnerungen verblassen, schreibe ihr. Träume.
Vor dem frühstückt gehe ich mit N. Geldabheben. Ein Mann fragt ob wir ein Taxi brauchen.
Nein.
Ich hab auch Hasch, Gras, Opium.
Wir interessieren uns für die Preise, steigen in seine Riksha, während der Fahrt kramt er in seinen Taschen. Gibt mir ein Stück in die Hand. Ich soll riechen. Er hält in einer ruhigen Straße, erklärt uns wie viel er uns für welchen Preis verkauft. Viel zu teuer, keine kleinen Mengen. Verhandeln, günstiger, kleinere Mengen. Verhandeln. Wir kaufen eine Kleinigkeit. Letztendlich verkauft er uns alles für ein Zehntel des Anfangspreises. Verhandeln ist lustig.

Udaipur (23)Frühstücken, die Stadt erkunden. In einem Tempel singen, klatschen und Trommelfrauen in Gewändern. Draußen winken uns alte Männer mit grauen Haaren und orangefarbenen Gewändern. Wir besuchen den Palast, er ist riesig, enge Gänge, Treppen rauf und runter, zwischen drin bunteste Räume, völlig unterschiedlich. Ich stell mir vor wie der König auf seinem Stuhl sitzt, Kämpfer in den engen Gängen seinen Palast verteidigen. Inder machen Fotos von uns, ich rede mit jedem. Wo ich herkomme, wie mein Name ist. Die Menschen sind freundlich. Wir latschen durch die Stadt, über Brücken, durch Gassen, sehen einen Elefanten, Leute die von einem alten Minitempel in den Fluss springen. Ich kauf ein Tuch, verhandle, hab Spaß. Ich mag die Stadt.

Wir bleiben noch zwei Nächte, erkunden die Stadt zu Fuß. Außerhalb des Zentrums werden die Gassen zu Straßen, die Stadt scheint reicher zu sein. Die Straßen sind ruhig, breit. Aus versehen laufen wir auf ein Schulgelände, wir sind Aliens, hundert Jungs und Mädchen in Schuluniform sehen uns aus großen Augen an, laufen uns nach, wir lächeln und grüßen.

Wir erkunden einen kleinen Park mit einem fünf Quadratmeter Minimuseum, dessen Logik ich nicht verstehe. Tiere in Gläsern, Spiegel die einen verzerren, alte Töpfe. Draußen gibt es dafür Elefantenspringbrunnen und gute Luft.

Wir besteigen einen Tempelberg, hunderte und hunderte von Stufen, fast erwartet man oben einen alten weißhaarigen Kung-Fu Meister zu treffen, der einen wieder runter schickt um Wasser zu holen. Auf halber Höhe treffen wir eine Bande Kinder und später einen jungen Mann, sie schleppen eine Box und einen Haufen schweres Elektrozeugs. wir helfen ihnen. Endlich kommen wir verschwitzt oben an, zuR Begrüßung bekommt jeder etwas Süßes. Der Ausblick ist wunderbar. Auf halbem Rückweg bemerkt C. ihre verlorene Kamera, bekommt Angst und sprintet zurück. Ein Inder kommt ihr mit der Kamera entgegen sobald er sie sieht.

Zum essen fragen wir nach einem billigen guten Restaurant, finden tatsächlich eins, all-you-can-eat auf indisch, ständig kommen Kellner, bringen Brot, bringen Soßen, Matsche, Reis. Sehr lecker. Zur Nachspeise Joghurt und leckere gelbe süße Bällchen.
Abends spielen wir Karten, N. bringt uns ein französisches Spiel bei, als ichs kapiert hab, check ich, dass ich grad Skat spiel. Nach zehn Jahren versteh ich endlich wieso Menschen ihre Schulpausen damit verbringen können.

Überhaupt sind wir eine lustige Reisegruppe, sind unkompliziert, entscheiden spontan wohin es geht. G. liest Lonely Planet, schlägt Ziele vor, wir lachen viel, sind manchmal straff, machen uns über unsere Akzente lustig. Wir leihen uns Geld, bringen uns Sachen mit, passen auf unser Gepäck auf. Teilen uns Zimmer. Mal verhandelt N., mal verhandle ich. Zusammen reisen ist günstiger, vielleicht auch einfacher. Alleine wär ich längst nichT soviel rumgekommen.




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