Mumbai

Mumbai (6)Direkt am Bahnhof schnappt sich uns ein Taxifahrer, wo wir hin wollen? Travellers In. 300rs. Wir haben keine Ahnung, sagen ja. Er will sein Taxameter nicht einschalten, nach zwei Minuten sind wir da. Er hat uns verarscht, wir sagen es ihm, er nimmt das Geld und lacht.
Wir bekommen ein Zweibettzimmer, C. schläft mit Extramatratze auf dem Boden. Das Hotel ist luxuriös, wir haben einen Fernseher, den wir nicht benutzen, eine Klimaanlage die nicht funktioniert, Wlan im Erdgeschoss bis 24:00 Uhr, auf der Toilette gibt es sogar Klopapier. Wir buchen drei Nächte. Wir chillen, lesen, zum einschlafen höre ich MsMr, denk an ein angetrunkenes Mädchen mit Schluckauf.

Wir erkunden die Stadt, laufen durch kleine Straßen, voll von Menschen, von Autos, Motorrädern, ab und zu Kühen. Wir frühstücken Samosas, kleine Tetraeder gefüllt mit scharfem Zeug, trinken Tee. Wir finden eine Markthalle, ein Schild sagt Touristen brauchen einen Guido. Ein freundlicher Inder führt uns durch die Hallen, voll von Obst, Gemüse, Gedöns. Er bringt uns zu einem Gewürzstand, innerhalb von Sekunden ist die Theke gefüllt mit kleinen Gewürzschälchen, roten, gelben, orangen Currymischungen. Riecht alles lecker. Er führt uns in die Tier halle, Käfige mit kleinen Hunden, Häschen, Vögeln. Aquarien mit Fischen. Dahinter eine Halle mit riesigen Fleischbrocken, bestialischem Gestank. Es ist heiß, eine Krähe knabbert an einem Knochen. Unser Führer führt uns in einen Seidenladen, verschiedenste Stoffe und Schals landen auf der Theke. Wir fassen an, bewundern, gehen wieder. Er ist enttäuscht das wir nix kaufen, keine Kommission. Er lässt uns alleine. Wir quetschen uns durchs Gemenge. es ist laut, es wird gehupt, jeder will uns was verkaufen. Wir machen eine Pause, erholen uns in einem Straßencafé, Schwarztee. Vorgezuckert, mit genau der richtigen menge Zucker, bestimmt fünf Löffel auf ein Glas.

Mumbai (13)Weiter durch die Stadt laufen. Der Verkehr ist ein Chaos, jede Straßenüberquerung ist ein Abenteuer. es gibt Ampeln, aber niemand interessiert sich dafür. Kreuzungen, alle vier Richtungen fahren gleichzeitig.
Zu Mittag essen wir in einem McDonalds, es gibt verschiedenste Gemüseburger mit indischen Namen, Chicken, kein Hamburger, kein BicMac. Der kulturell angepassteste McDonalds den ich gesehen hab.

Auf einer großen Wiese trainieren jugendliche Kricket, beim vorbei laufen rufen sie Bob Marley, wollen mir in die Haare fassen, machen Fotos von mir. Wir hocken uns ein Weile in denSchatten, rauchen. Machen eine pause im Hostel. Wir wollen im Hostel Züge buchen, der Mann will den doppelten Preis den wir im Internet gefunden haben. Mit N. mach ich mich auf zum Bahnhof. Wir müssen zu Schalter 52, ein bisschen wie bei Asterix und Obelix, überall verteilt, in verschiedenen Hallen gibt es Schalter. In einem Nebengebäude finden wir unseren, einen Touristenschalter mit eigenen Wartebänken. Tatsächlich bekommen wir die Tickets zum günstigen Preis.

Im Hostel treffen wir andere Backpacker. Mit einem Italiener – G., reist schon seit Monaten, kommt gerade aus dem Iran, will noch nach Nepal – setzen wir unsere Stadterkundung fort.

Mumbai (2)Wir kommen zu einer kilometerlangen Strandpromenade, Wasser-, Süßigkeiten-, Chaiverkäufer laufen die Promenade auf und ab. Es ist dunkel, zwei Europäer sprechen uns an, sie fliegen in vier Stunden heim, wollen uns ihr übriges Gras schenken. Eine Gruppe Kinder verfolgt uns, sie fragen nach Geld, ziehen an unserer Kleidung. C. kauft ihnen eine Tüte Chips.
Abends gibt es scharfe Matsche aus Plastiknäpfen. Bier gibt es entweder nicht oder teuer. Wir fragen einen Inder nach einer Bar mit billigem Bier, er ist barfuß, hat dunkle Zähne, er begleitet uns, kommt mit in die Bar, schnorrt eine Zigarette, trinkt Wasser. Wir trinken unser Bier. Rauchen. Er ist freundlich, erzählt von Mumbai, bringt uns nach draußen, besorgt uns ein Taxi. Wir haben keine Ahnung wie viel Trinkgeld wir ihm geben sollen.

Zurück im Hotel chillen wir, lesen, zum einschlafen hör ich MsMr und denk an ein Mädchen, die dachte ich hätte ihre Tasche geklaut.

Wir frühstücken, scharfe Matsche im Napf. Die Speisekarten sind voll von Wörtern die ich nicht kenne, die mir nicht im Gedächtnis bleiben. Ich fang an Fotos vom Essen zu machen und mir die Namen aufzuschreiben. Wir laufen acht Stunden durch die Stadt, werden besser im Straßenüberqueren, ein bunt angemalter Elefant reicht seinem Herren Trinkgeld mit dem Rüssel, guckt traurig. Im Staatsgericht treffen wir eine junge Anwältin. Sie ist hier wegen einer Landstreitigkeit. sie fragt uns wo wir herkommen, wie wir heißen, sie heißt Renu, pendelt, lädt uns in ihre Stadt ein, gibt uns die Nummer einer Freundin aus Europa die sie dort hat. Sie führt uns durchs Gerichtsgebäude, nimmt uns mit in eine Verhandlung. Ich bin beeindruckt von ihrer Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.

Wir laufen weiter, sehen ein riesen Gebäude, gebaut auf einem kleinen Haus, wir kommen zu einem großen Tor, gebaut für die Ankunft des britischen Königs. es wimmelt von indischen Touristen, von Fotoverkäufern, Souvenirverkäufern. Eine Gruppe fragt ob sie ein Foto von mir machen können, wir machen Fotos. Mehr Leute wollen Fotos mit mir machen. Wollen Fotos mit C. machen. Um uns bildet sich eine Traube, die Fotoverkäufer machen Fotos von uns und Touristen. C. schreibt sich ein Schild, picture 50rs, in zwanzig Minuten hat sie 200rs, genug für die Taxifahrt zum Bahnhof. Wir laufen wieder zur Promenade, laufen sie entlang, Menschen winken uns zu. Wir sehen den Sonnenuntergang, essen Matsche aus Metallnäpfen. Scharf, lecker, ich mach Fotos. Wir chillen, lesen, ich höre MsMr, schlafe, träume.

Mumbai (1)Mit dem Taxi fahren wir zum Bahnhof. Verkehrschaos. Neben dem Taxameter gibt es einen Timer der zählt, wenn das Taxi steht. Wir brauchen zwei Stunden, der Timer zeigt 56 Minuten. Wir verpassen den Zug. Eine Gruppe Transen in indischen Gewändern sagt es fahre noch ein Zug, wir könnten 50% des Ticketpreises zurück bekommen. Mit C. geh ich in die Bahnhofshalle. Ticketagenten wollen uns teure Fahrkarten verkaufen, sind aufdringlich. Sobald sie merken, dass wir wissen, dass wir am Schalter günstigere bekommen, sind sie freundlich, sagen uns wo wir hin müssen, geben uns Formulare, leihen uns Stifte. Zwei Stunden später sitzen wir im Zug.Ein Inder in schicker Kleidung, mit Golduhr setzt sich zu uns. Ich unterhalte mich Stunden mit ihm, über Europa, Indien, Kricket. Er ist 30, verheiratet, eine Tochter, die Braut haben seine Eltern ausgesucht. Er ist verwundert, dass keiner von uns verheiratet ist. Er kauft mir einen indischen Snack von einem der zahllosen durch den Zug laufenden Verkäufer, bestellt mir einen Tee. Wir tauschen Emailadressen aus. Irgendwann geht er schlafen, ich höre Musik, schreibe. Es ist Nacht, die Fenster lassen sich nicht schließen, der Wind pustet durch den Wagon. Zum ersten mal in Indien ist mir kalt, ich zieh meinen Pullover an und die Kapuze über den Kopf, höre MsMr.





2 commentaires sur “Mumbai

  1. @olli ja, ja, die ukulele, vielleicht is das wirklich ne gute idee, fann würd ich sie nicht immer nur rumschleppen sondern tatsächlich benutzen :)

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