Goa 3 – Arambol – Die Ebbe nach der Flut

Arambol Sonnenuntergang

Mein Leben wird wieder ruhiger. Ich chille mit Jb., A. und F. Wir chillen am Strand, im Curlies, in der Gurubar. In Gedanken hat der Abschied begonnen.
Zusammen ziehen wir um, nach Arambol, zwei Strände weiter Richtung Norden. Mit unseren Rucksäcken beladen, laufen wir über einen Sandhügel zum Strand. Die Sonne hängt groß und rot über dem Horizont. Ich höre Trommeln, hundert bunte Menschen, Elfen, Feen, Prinzen und Zauberer trommeln, tanzen, klatschen, feiern den Sonnenuntergang. Meine Sicht verschwimmt. Ein Mädchen, sieht mich, lächelt, fragt – glücklich? Ich Antworte – ja. Hier ist es also, das Goa von dem ich geträumt hab.

Wir finden günstige Holzhütten, finden eine Bar, voll Kissen, Matratzen und kleinen niedrigen Tischen. Läserpunkte wandern über die Decke. Ein Bang-Lassi drückt mich tief in die Kissen. Die Schwerkraft wird stärker. Ich liege auf dem Rücken, lausche unseren musizierenden Nachbarn, schau den Laserpunkten zu, wie sie auseinanderfliegen, sich in einem Punkt vereinen, wieder auseinanderfliegen. Menschen deren Lebenswege sich kreuzen.
Wir treffen mehr nette Menschen, finden Sa., D. und Sb. Alle werden noch eine Weile Reisen – für uns vier geht es die nächsten Tage nach Hause. Zu siebt landen wir wieder in unserer Bang-Lassi Bar, lassen uns zusammen von der Schwerkraft in die Kissen ziehen, sprechen nicht viel, lassen unsere Gedanken fliegen. Stromausfall, für einen Moment ist es Still. Die Gruppe neben uns fängt wieder an Musik zu machen. Sie spielen „One Day“. Ein weiterer magischer Moment. Ich bin glücklich.
Wieder ein lustiger Heimweg, die Lassies wirken noch immer. Es ist still, schwarze Nacht, über uns die Sterne. Sa. wohnt in einem anderen Hostel, 5 Minuten den Strand runter. Alleine traut sie sich nicht, also begleite ich sie – ich bin auf meinem eigenen Paranoiafilm, aber warum auch nicht. Wir laufen, 5 Minuten, 10 Minuten, es wird immer dunkler, irgendwann kommen keine weiteren Hütten. Vorbeigelaufen, umdrehen, suchen. Endlich findet sie ihr zu Hause und ich laufe alleine zurück. Überall seltsame Geräusche, hat da jemand geschrien? Nervös schaue ich mich um. Ich seh in den Himmel und seh eine Sternschnuppe. Ein weiterer magischer Moment. Ich bin glücklich.

Die letzten Tage verbring ich mit chillen, nichts tun, im Laughing Buddah sitzen. Mein Körper ist von der letzten Woche ein bisschen mitgenommen, will nicht mehr richtig verdauen. Ich fütter ihn mit Tee und Fruchtsäften. Jeden Tag nähert sich das Datum meinem Abflug. Ein komisches Gefühl, nurnoch dreimal schlafen, dann soll es Schnee und Glühwein geben. Dann soll mein neues Leben beginnen. Ich habe keine Ahnung wie es aussehen wird. Und hatte noch nie so wenig Angst davor. Ich bin bereit.

Der letzte Sonntag. Letzter Hilltopstag. Wir fahren zurück nach Anjuna, statten uns im Shop aus. Der Verküfer schnekt mir einen Batzen Hasch, als Dankeschön, weil ich ihm so viele Kunden bringe. Mit dem Taxi geht es Richtung Hilltops, ich nutze die Fahrt um mir meine magische Pappe unter die Zunge zu legen. Die Reise kann beginnen. Fünf Minuten später, wir kommen an, das Hilltops hat geschlossen. Ich finde das lusitg. Die Reise wird ein Abenteuer.
Als Alternative laufen wir zur 9Bar, nichts los. Wir sitzen an einem Tisch, rauchen, sehen den Sonnenuntergang. Mit der Sonne verlässt mich auch die gewohnte Realität. Kategorien und Grenzen fangen an sich aufzulösen. F. ist langweillig. Sie ist sauber und wir wählen sie als Trippmutti. Sie darf bestimmen. WIr machen uns auf den Weg nach Arambol. Die lustigste Taxifahrt meines Lebens. Sb., unser Trippdad sitzt vorn. Drei Druppies auf der Mittelbank und die Mutti im Kofferraum. Die Eltern haben keine Ahnung was in ihren Kindern vorgeht, keine Idee von den Welten die wir in unseren Köpfen haben. Wir begreifen alles, belustigen unsere Eltern, Verhalten uns wie sie es erwarten. Meine Reiseflughöhe ist erreicht. In milden Loops wechsel ich zwischen Erleben, Verstehen und Mitteilen. Betrachte die Sterne, gehe in ihnen Verloren, Jogge den Strand entlang, Unendlichkeiten, auf der selben Stelle, in Richtung Basswummern. Einer Ahnung folgend.
Dann ist es soweit. Ich verlasse den Laufloop. Da ist er, der Zirkus hat sein Zelt aufgeschlagen. Ein fremder Zirkus, mit fremder Musik. Exotische Wesen tanzen und spielen im Sand, vom Bass getrieben. Ich setze mich, bewundere eine leuchtende Elfe, sie schwimmt in der Musik, ich seh sie und hab einen Wunsch. Erst trau ich mich nicht, dann doch. Ich hab einen Laserpointer, ein drehbares Spektrum, hunderte grüne leuchtende Punkte fliegen auseinander, fliegen zusammen, vereinen sich, drehen sich, tanzen zur Musik. Ich beleuchte sie, lass den Boden unter ihr tanzen. Ich verliere mich in den Punkten. In einer Welt aus grünem Licht. Für Stunden bin ich nichts anderes, bin Punkte, bin Muster, bin Musik und Bass. Ich bin der Beleuchter im Zirkus.
Stück für Stück setzt sich die gewohnte Realität zusammen, Fenster voll Klarheit fliegen vorrüber, ich nutze eins, steige hindurch zurück in die normale Raumzeit. Verabschiede mich, lass mein Licht zurück, verlasse den Zirkus, laufe den Strand entlang, zurück nach Hause. Lass die Vergangenheit hinter mir und gehe in Richtung Zukunft. Ich weiss wer ich bin. Ich weiss was zu tun ist. Ein magischer Moment, ich bin Glücklich.

Ein Tag ausruhen, dann geht es nach Hause. Mit dem Taxi zum Flughafen. Ein ehrwürdiger Abschied aus Indien im Raucherabteil vor dem Securitycheck. Mit mir Raucht ein Hippie. Er hat sein Gras nicht in den Flughafen schmuggeln können, zum Trost trinkt er Rum, teilt seine Flasche mit mir. Viel zu spät haben wir sie geleert, beeilen uns betrunken zum Ausreiseschalter, durch den Securitycheck. Wir sind die letzten im Flugzeug, ich finde meinen Platz, schaff es mich alleine anzuschnallen, schließe die Augen. Noch vor dem Start schlafe ich ein.

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