Glitzern in Goa

Das Bild "Smoking Window" von Piz

Das Fenster zwischen der Zeit

Der Barkeeper kennt mich schon. Das beste billigste Bier? Genau! Wir tanzen, sind betrunken, kommen auf die Idee Glitzersteine zu kaufen. Wir fragen den Erstbesten. Er hat Glitzerpulver für 1000rs. Wir haben keine 1000rs. Er lässt nicht mit sich verhandeln. Der Franzose taucht wieder auf, fragt uns nach Glitzersteinen, wir haben keine, er verschwindet wieder.

Jemand auf der Tanzfläche bemalt einen anderen mit Schwarzlichtfarbe. Ich stell mich daneben, er bemalt mein Gesicht, will Geld haben, ich bedanke mich freundlich und geh. Ich setz mich mit C. auf eine Steinmauer. Der Dealer von vorhin setzt sich neben mich, gibt mir seine Nummer, sagt tagsüber kann er mir billiger verkaufen, im Club muss er sich an Absprachen halten. Er fragt ob ich Joints drehen kann, ich sag ja, er gibt mir Hash, butterweich, ich dreh eine Tüte, lecker, schwindelnd, ehe sie aufgeraucht ist taucht der Franzose, N., auf, lächelt, gibt mir und C. ein Stückchen Pappe, magisch, unter die Zunge, lutschen und warten. 20 Minuten, nichts passiert. N. meint er hätte 300 rs bezahlt, durch drei geteilt. Ich glaub nicht das etwas passiert. Ich tanze. Ich setz mich zu C. auf die Steinstufe, sie quatscht mit einer Hippiefrau. 32 Jahre alt, zwei Kinder, sie verkauft uns für jeweils 300rs kleine magische Päppchen. Wir tanzen. Es geht los. Die magische Nacht.

C. sagt sie muss sich setzen, ihr ihr wirds viel, sie hat noch nie magisches Papier gegessen. Ich geh mit ihr zum Strand. N. taucht auf, ihm wird es viel, sein zweites mal. Mir wird es viel, mein Körper weiß nicht was er von der Welt hält, ich bin gespannt, ich fühl es kommen. Viel. Ich sag C. und N. wir bleiben zusammen. Wir sitzen am Strand, wir liegen am Strand, die Sterne fallen auf uns nieder, der Mond pulsiert, die Sterne sind rot, der Mond ist gelb, der Anblick ist wunderschön. Wir begreifen, unendliche Wiederholungen, Schleifen, Loops, begreifen, lachen, lachen. Versuchen zu rauchen, jede Schleife enthält zwei Minuten Klarheit, zwei Minuten denken können, dann saugt es uns wieder ein, bis wir wieder begreifen. Zwei Minuten denken und entscheiden können. Zwei Minuten, Fenster, zwei Minuten Zeit eine Zigarette zu drehen. Das Rauchfenster. Wir sind nicht synchron, helfen uns gegenseitig, einer dreht, einer begreift und lacht, einer ist ein gesaugt, unterwegs. Wir rauchen. Der Mond und die Sterne sind wunderschön. C. muss kotzen, wir rutschen fünf Meter weiter. Wir liegen im Sand. C. braucht Wasser. Ich geh Wasser holen. Menschen, viele Menschen, Farben, Musik, Lichter, die zwei Minuten Fenster sind vorbei, ich klammer mich am Gedanken fest. Wasser holen. Ich hab kein Geld. Farben, Musik. Die Bar. Kann ich Wasser haben? Ich hab kein Geld. Ich bekomme Wasser, ich bin glücklich. Zurück zu N. und C.

Mehr Schleifen, mehr Loops, mehr Begreifen, Fenster nutzen, zum rauchen, um etwas zum festhalten zu haben. Um nicht in der Unendlichkeit der Möglichkeiten verloren zu gehen. Der unendlichen Varianten, sich unendlich in allen Variationen wiederholenden Momenten. Keine Konstante, nichts zum festhalten. Rauchfenster. Rauchen. C. muss kotzen, wir rutschen fünf Meter weiter. Liegen im Sand. N. holt Wasser. Wir begreifen, lachen, wissen, loopen, nutzen das Rauchfenster, Stunden sind vergangen, Magie fährt immer mehr ein. Schnellere Schleifen, zu viel begreifen, der Himmel ist wunderschön, es regnet rote Sterne, der Mond pulsiert. Die Realität ist nur eine von unendlich Perspektiven. Unserer ganzes Leben, nur eine Möglichkeit, eine lange Schlaufe, ein ruhiger Loop, dahinter unendliches Chaos, irgendwann stürzen wir immer wieder hinein, sind verloren, haben nichts zum festhalten, starten den nächsten Loop, begreifen, immer wieder und immer wieder. Wie kostbar diese Realität ist, wie zerbrechlich, wie wichtig und wie einmalig. Begreifen. In all dem Chaos, aller Unendlichkeit, Gibt es uns. Gibt es mich. Gibt es den Moment in dem ich begreife, das bin ich. Ich kann aussuchen, ich kann steuern, ich kann für einen Moment, einen klitzekleinen Moment bestimmen was als nächstes passiert, für einen klitzekleinen Moment den Loop verlassen, ich sein, herausfinden wer ich bin, etwas neues schaffen. Ein Fenster. Wieder ein gesaugt werden, wieder vergessen. Wieder aufwachen, begreifen. Ein Fenster. Rauchen. Im Sand liegen, lachen.

Endlich sind wir synchron. Ein Fenster für uns alle. die Musik ist aus. Wir gehen zu den Klos. Ein Moment, für immer in die Unendlichkeit gebrannt, wir passieren ihn, ich freu mich über die Perfektion. Ich kenne den Moment auswendig. Wie ein Déjà-vu. Ich bin beeindruckt von der Einzigartigkeit dieser Wiederholung.

Das nächste Fenster. Wir machen uns auf den Heimweg. Die Fenster sind zu kurz um ernsthaft überlegen zu können wo wir lang gehen müssen. Wir wechseln uns ab, im Sekundentakt, laufen wir einander hinterher, führen und folgen uns gegenseitig. C. hat eine Taschenlampe, wir folgen dem Lichtkegel, folgen dem Licht. Wir wissen nicht wohin, wir folgen dem Licht. Wir laufen Unendlichkeiten, Magie fährt noch immer ein, manchmal glauben wir verloren zu sein, dann taucht ein Gebäude auf das wir kennen, wir wissen wir müssen dem Licht folgen, winzige Momente zum denken, ich hab meine Schuhe verloren. Wir laufen Loops, unendlich im Kreis, durch die Raumzeit. Ein Gebäude das wir kennen. Auf dem richtigen Weg. Wir müssen dem licht folgen.

Vor uns laufen Kühe. Ruhig. Fest. Sie verschwinden nicht. Sind teil des Realitätsloops in dem wir irgendwann wieder ankommen wollen. Kühe. Heilige Kühe. Heilige Kuhscheiße durch die wir laufen. Ich hab meine Schuhe verloren. Wir kommen näher, werden ruhiger, still. Jemand läuft mit den Kühen. Der Schäfer. Selbst die heiligen Kühe brauchen einen Schäfer. Wir laufen neben den Kühen, neben dem Schäfer. Einer uralten Frau mit weißen Haaren. Wir sagen kein Wort. Sind still wie die Kühe. Wie der Schäfer. Wie die alte Frau. Wir sind dankbar und glücklich. Wir laufen weiter. Folgen dem Licht laufen unendliche Schleifen, sind verloren, sehen ein Gebäude das wir kennen. Sind auf dem richtigen Weg. Wir wissen das wir dem Licht folgen müssen. Wir sind zu Hause.

Wir sind zu Hause. Die Welt um uns ist wieder fest. Nur noch eine Möglichkeit, kostbar. Zerbrechlich. Es hört nicht auf. Es ist hell. C. duscht, N. liegt auf dem Boden, mir fällt ein winziges Stückchen Hash in meiner Tasche ein das N. mir gegeben hat. Hash kann uns rausholen, kann den Loop verlangsamen, uns zurück in unsere Raumzeit bringen. N. geht. Ein Abenteuer. Seinen Roller holen. Unreal. Sorgen. Nach zwei Sekunden, Momenten, ist er zurück. Hat seinen Roller geholt. Unreal. Wir brauchen unendliche Loops, zwei Minuten Fenster bis die Tüte gebaut ist, wir liegen in unseren Betten, N. auf dem Boden, wir begreifen, lachen, das Zimmer ist schön, klein, ruhig und fest. Wir rauchen die Tüte. Gut. Sehr gut. Nicht genug. Jemand kommt in unser Zimmer. Ein Inder. Aus dem nichts. Er sagt wir sollten Gras rauchen. Er hat welches. er baut uns eine Tüte. Noch eine. Noch eine. Die Fenster werden länger. Ich kann Musik hören, MsMr, an M. denken, davon träumen dass sie den Loop anhalten, mich festhalten könnte.

Wir sind nicht mehr synchron, wir reden, verstehen unsere Worte nicht, der Inder versteht uns, spricht mit uns, baut uns Tüten. Zeitweise hab ich Angst vor ihm, zeitweise bin ich froh, dass er da ist. C. kauft Gras von ihm, er baut Tüten. Ich höre Philipp Poisel, seine Stimme, seine Texte verlangsamen den Loop, machen die Zeit wieder normal, Sekunden werden wieder Sekunden. C. schläft, der Inder und N. gehen. Ich kann nicht schlafen, zu viel begriffen, zu viel zu verarbeiten, so viel verstanden, noch immer ist die Welt nicht intakt, nicht ganz konstant. Ich setze mich raus und rauche, brauche ewig jede Kippe zu drehen, sitze und rauche, seh der welt zu wie sie langsam, Stück für Stück eine Variante wird, eine von vielen, eine einzige zur gleichen Zeit. Eine in der ich Piz bin, in der ich die kostbare, zerbrechliche Seifenblasenoberfläche Wirklichkeit, bewundern, beschützen und mitgestalten darf. In der ich entscheiden kann was aus ihr wird. Was aus mir wird.

C. wacht auf, N. kommt zurück, er hat nicht geschlafen. Wir sind uns unsicher was das Leben ist. Es ist 15 uhr, wir gehen frühstücken. Wir entscheiden uns für eine Weile zusammen zu reisen. Noch immer gibt es Ecken und Momente und Gedanken ohne konstante Wirklichkeit. Es wird wieder dunkel. Wir sitzen auf gepolsterten Halbliegestühlen, trinken schwarzen Tee, genießen die Aussicht ins schwarze Nichts, das Gehirn und die Augen ausruhen. Wir chillen, rauchen Gras, endlich werde ich müde. Ich liege im Bett, höre Ms Mr, träume, keine Hoffnung, keine Angst, träumen. Ich schlafe ein.

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