Gedanken in Jaipur

Konzert im Park

Konzert im Park

Mit dem Bus gehts zum Zug, mit dem Zug in die Hauptstadt Rajhastans. Am Bahnhof quetschen sich hunderte aus beiden Richtungen durch eine kleine Lücke im Zaun. Tatsächlich bin ich irgendwann samt Rucksack durch. Wir entfliehen den Tourikommissionsfängern, entscheiden uns zu Fuß auf Hostelsuche zu gehen.

Den ersten Abend latschen wir durch die Stadt, nach dem ruhigen Pushkar ist das erstmal ziemlich stressig. Wieder überall Menschen die uns Dinge verkaufen wollen, die uns mit Auto- oder Fahrradriksha fahren wollen, die uns in ihre Restaurants einladen. Ausnahmsweise gehen wir in ein Lonely Planet empfohlenes Restaurant. Die Leute sind unfreundlich und auf der Rechnung steht ein zu hoher Preis.
Dafür finden wir Abends einen Park mit Live-Konzert, traditionelle indische Musik mit Derwishtänzern. Nicht meine Lieblingsmusik, aber interessant und entspannend.

Diesmal erwischt es N. und wir bleiben zwei weitere Nächte bis er wieder reise-fit ist. Tag eins zieh ich mit C. und G. los, ich verlier die beiden, weil ich wie immer mit irgendwem quatsche. Da ich sie auch nicht wiederfinde gönn ich mir ein Mittagessen bei Mcdonalds. Drei Männer setzen sich zu mir, sie tragen Jeans, Tshirts und Golduhren, wir quatschen eine ganze Weile. Schließlich laden sie mich ein mitte November mit ihnen nach Süden zu reisen, sie verkaufen Edelsteine auf Märkten, sie würden für mein Essen und Schlafplätz aufkommen, ausserdem würde ich Geld verdienen. Was ich genau machen würde wollen sie mir erst dann erklären. Wahrscheinlich wär ich so eine art Fake-Käufer um Touristen anzulocken.

Der versunkene Tempel

Der versunkene Tempel

Später lass ich mich überreden eine Stadttour mit einem Rikshafahrer zu machen. Er fährt mich zu einem Palast im Wasser, zeigt mir Elephanten, bringt mich in eine Textilwerkstadt in der mit Stempeltechnik Bettwäsche hergestellt wird. Genau wie meine von Musuri. Natürlich lass ich mich überreden was zu kaufen. Eine Hippie-Hose. Weiter gehts zu einem Schmuckladen, einem Künstlerkollektiv, schließlich essen wir an einem Straßenstand, dann gehts heim.

Sich alleine treiben zu lassen macht mich froh und auch wenn es bisher mein teuersterTag war, wars auch einer der besten.
Den nächsten beweg ich mich kaum fort, sitz im Garten unseres Hotels und lese. Denke nach. Quatsch mit N. Seit ein paar Tagen hab ich das Gefühl mein Leben, mein Kopf wird endlich langsamer. Bremst. Ich hab das Gefühl wirklich über Dinge nachdenken zu können, zu wissen, dass ich Zeit hab dafür, dass es nichts gibt was ich tun muss, was mich vom Zeit nehmen abhält. Ich erzähl N. von einem mädchen, mit dem ich Jahre geteilt habe, wie sie gesagt hat sie will mit mir nach Indien, wie ich das nicht wollte, wie unendlich traurig ich war, wie ich mich so von meiner Familie verabschiedet hab. Ich erzähl ihm von Schweden und von jemandem, der mir in die Seele geschaut hat, der mir soviel gezeigt und bewusst gemacht hat, wie schwer das war, wie viel ich dadurch geschenkt bekommen hab und wie kompliziert das doch für mich war. Wie überhastet ich zurück gekommen bin, wie unruhig ich dann in Berlin war. Ich denk daran wie unruhig ich bin, wie verloren ich bin. War. Wie ein Weg, Schritt für Schritt in richtung Freiheit, einen Schritt für Schritt in richtung Chaos führt. Wenn nurmehr man selbst bleibt um sich an etwas festzuhalten. Weil man sich dafür entschieden hat. Wie man feststellt wie wackelig, windig und zerbrechlich dieser letzte Halt sein kann. Und wie er doch unzerstörbar ist. Der lichtstrahl der Freiheit im unendlichen Chaos. Ich höre meine Innere Stimme.



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