Auf dem Weg nach Indien

Der Masterplan

indien flagge

Heimkommen, B. und G. treffen, Auto verkaufen aufbrechen. Das sind die Worte die ich aus Schweden mitgebracht hab.
Nun steht es also fest, am 03.10 soll die Reise beginnen. Ohne viel Nachdenken, ohne Plan und ohne wirklich etwas zu wissen buche ich einen Flug. Indien, Weil mir einmal der Fahrer meiner Mitfahrgelegenheit die komplette Strecke von Berlin nach Wien davon berichtet hat wie abgefahren Indien ist. Goa, weil dort einmal jemand war den ich mag und ich von da eine SMS bekommen hab „Indien ist verrückt“. Anjuna, weil das beim Goa googeln als erstes aufploppt.. Hippies und so. Ich sitze zwei Tage vor dem Buchenknopf bevor ich mich trau zu klicken.

Abschied

Pinguin

Verwirrende und schöne und aufregende und traurige Dinge gibt es für mich zu erleben. Ich hab für eine Weile ein zu Hause bei lieben Menschen, ein wunderbarer Mensch frisst sich in mein Herz, ich fühl mich wie ein Schulkind bei unserm ersten Date und bin froh, dass ich schon auf den Flugbuchenknopf gedrückt hab. Ein bisschen wie in einen Zug zu steigen der auf einen Abgrund zu fährt und nicht aussteigen zu können weil die fahrt sich so schön anfühlt..
Ein Wochenende hab ich in München. Neben der Freude meine Familie endlich wieder zu sehen ist es auch das traurigste überhaupt. Tausend Gefühle die ich nicht fühlen will, den Menschen zu sehen der mir die letzten Jahre der wichtigste war, der es gern wieder sein würde, der es aber nicht sein darf, weil ich es nicht will. Ein Abend mit tausend Tränen, der Freude eine gute Freundin wieder zu sehen, mächtigen Mengen Alkohol, viel Wut, einer Rauferei mit dem Discobusfahrer der mich nicht mitnehmen will, nur weil ich nicht bezahlen will, mehr Mengen Alkohol, Elektrotanzen, Polizisten die morgens arme Discobesucher filzen, mehr Wut, mehr Tränen und am nächsten Morgen den sorgen vollsten Eindruck den ich bei meinen Eltern hinterlassen kann.
TraumelieZurück in Berlin mehr schönste Momente mit dem Mädchen für das ich mir die Ärmel umkremple damit meine Klettverschlüsse ihre Strumpfhosen nicht kaputt machen, einen Abend mit dem besten Freund, zur Abwechslung zu den letzten malen mit hohem Redeanteil meinerseits, ein bisschen Ärger mit der Kneipenbesitzerin, wegen Nichteinhaltung der Raucherregeln und schließlich dem mächtigen Augenblick: er heiratet. Abgefahren! Ob ich Trauzeuge mach? Lässiglogisch!
Ein letztes schönes Wochenende hab ich noch. Freitags weggehen, mit dem lieben Bruder, den lieben Mitbewohnern und dem lieben Menschen wegen dem ich ständig MsMR höre ins Morlox.
Samstags zum zukünftigen Hochzeitspaar, zur Ankündigung, zum klatschtratschen mit den Freunden, zum Verabschieden, alleine ins Katerholzig zum schlafen.
Zwei tage to go. Einmal russisch essen, ganz wunderbar, dem MsMr Strumpfhosenmädchen aus versehen einen müden katerarbeitstag bescheren, meine liebste Freundin zum Wasserzählertauschen besuchen und Early Xmas feiern (danke!).
Ja, und dann ist es soweit, dem Bruder und seiner Freundin winken, zwei Menschen am Flughafen verabschieden, mit dem Zug in den Abgrund fahren, noch einen Kuss, einmal umdrehen, noch einmal dein Bild in meine Seele brennen.

Abflug

Wie immer schlaf ich im Flugzeug noch vor dem Start ein. Bevor ich überhaupt anfangen kann traurig oder glücklich zu sein sind wir in Paris. Bin ich im nächsten Flugzeug – Air India – sieht von innen aus wie ein Wohnzimmer. Ich seh Frauen in rot gelben Gewändern, sicherlich Hindus, denk ich. Später stellt sich raus, das sind die Stewardessen. Sonst seh ich einen bunten mix Menschen. Auffällig viele Rastahaare für eine Flugreise.
Meinen Sitz find ich bei einem Dreadlockpärchen mit Baby – auf dem Weg nach Nepal, zum einkaufen für ihren Marktstand, mit dem sie durch Europa reisen. Ich denke an ein Mädchen mit dem ich eine Reise machen wollte.
Wir starten mit fünf Stunden Verspätung, technische Probleme mit dem Navigationssystem. Dafür werden wir bestens versorgt, free drinks, was auch immer wir wollen in unbegrenzten Mengen. Ich schaff mein Buch zu lesen bevor wir starten.

Delhi

Acht Stunden Aufenthalt, minus fünf Stunden Verspätung, minus eine Stunde anstehen zum Einreisen. Überall verschiedenste Menschen, Rabbiner, Muslime, Dreadlocks, alte Menschen, junge, Babys.
Der Einreisebeamte bewundert meine Piercings. Ich bieg falsch ab, einmal aus dem Flughafen raus, gleich wieder rein. Mein Gate finden. Beim Securitycheck wird mir gesagt meine Boardkarte ist ungültig, ich brauch eine neue. Zurück zum Air India Schalter. Haben sie Gepäck? Ja, bereits eingecheckt bis Goa. Hier steht nichts von Gepäck. Sie müssen ihr Gepäck vom Band holen und neu einchecken, sie haben 40 Minuten, womöglich verpassen sie den Flug.
Ein indischer Flughafenmitarbeiter begleitet mich. Wir eilen durch verschiedenste Sicherheitstüren, immer den Wächtern das Anliegen erklären, endlich meinen Rucksack finden, zurück zum Schalter, einchecken, der Inder bringt mich durch die Security bis zum Gate. Ich bin dankbar, er fragt nach Trinkgeld, ich hab keins.
Gerade noch Zeit um auf die Toilette zu gehen, so viel zum Thema acht Stunden Aufenthalt.

Goa

Kein kostenloser Alkohol mehr, statt Chickencurry gibts im Flugzeug zweifarbige Matsche, sehr scharf und lecker. In Mumbai machen wir Zwischenlandung, Ich denke alle müssen aussteigen, stimmt aber nicht, ich soll wieder rein, steh im Weg, setz mich kurz in die erste Klasse. Mein Nachbar quatscht mit mir, wer ich bin, was ich mache – das erste mal in Indien. Er freut sich, dass ich Goa besuche. Zwei Inder, in Anzügen, mit goldenen Uhren erkennen ihn, quatschen kurz. Stellt sich raus, er ist so was wie der Minister von Goa. Er wünscht mir eine wundervolle Reise.
In Goa läuft alles top. Ich hol mein Gepäck, vor den Pforten steht jemand mit meinem Namen auf einem Schild. Der Taxifahrer. Er bringt mich zum Taxi, ich will einsteigen. Überraschung, Steuerrad, falsche Seite. So viele Menschen haben mir erzählt der Verkehr in Indien ist verrückt, aber das man auf der linken Straßenseite fährt hat keiner gesagt.
Nach einer Stunde erreichen wir das Hostel. Fahrtkosten 15€. Die Besitzer schlafen schon. Der Taxifahrer ruft an, jemand bringt mich zum Zimmer, sagt ich kann morgen einchecken. Mein Achtbett Schlafraum hat zwei Betten. Meins und eines für die Engländerin die mit mir wohnt. Wir sind die einzigen Gäste. Sie scheint nett zu sein, raucht, läd mich für morgen zu einer Party ein, zu der sie vom Barbesitzer eingeladen wurde. Sie ist auch erst morgens angekommen.
Für ein Gutnachtbier zieh ich nochmal los, vorbei an Bars, durch dunkle Straßen, vorbei an Hunden, Kühen, Ziegen. Aus einer Bar fragt mich jemand ob ich ein Bier möchte. Ich sage ja, setz mich an ein Mäuerchen, Füße hoch, Blick aufs dunkle Meer, es ist heiß, mein Bier ist kalt. Zwei Inder sitzen bei mir und erzählen von Booten, Schiffbrüchigen, Haien und Delphinen. Keine Ahnung ob ich sie richtig verstehe. Nach meinem zweiten Bier mach ich mich auf und geh schlafen.

6 commentaires sur “Auf dem Weg nach Indien

  1. Also
    1.Wer sind wir und wenn ja wie viele, Lieber Piz, Sebastian, Strullemann…
    2.: Take care!
    3. Viele Grüße

  2. :DD – jawoll! immer allet richtig machen! ich wuensch dir viel ruhe, freude und amuesement. sei deine reise sicher und gut. allerliebste gruesse. :))

  3. europa-asien-highfive!!

    also wenns weiter so schön kommentatest überlege ich mir vielleicht dich einzustellen um stellvertrettend für mich ein paar orte auf der erdkugel aufzusuchen und liveberichte zu erstatten ;)

    gehalt wäre natürlich recht bescheiden, beim nordpolausflug gäbs allerdings eine mahlzeit extra pro tag und bei badarf sogar einen mobilen kühlschrank!!

    laikit..tschakalaka!!

    ps:
    kleine weisheit: musst immer ein päckchen kaugummi bei dir tragen um solch peinliche situationen wie am flughafen mit dem hilfsbereitem mitarbeiter zu vermeiden!!

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