Ahmedabad

Ahmedabad HostelUm 6:00 Uhr morgens kommen wir ihn Ahmedabad an. Der Bahnhofvorplatz ist voll von Autorikshas – Mopeds mit drei Rädern, Dachplane und Platz für vier Leute, bei Bedarf passen auch mehr rein. Wir wollen zum Hostel Cadilac, laut Lonely Planet billig und runter gekommen, 200rs pro Nacht. Der Rikshafahrer kennt günstigere. Letztendlich landen wir zu viert auf einem Dreierbett, 450rs insgesamt, samt Ventilator, Scheißloch und Kakerlaken. Auf dem Flur schlafen Leute auf dem Boden, die uns freundlich begrüßen.
Nach ein paar Stunden Schlaf geht es Frühstücken, ich notier die Namen der Speisen und mach Fotos. Wir laufen durch die Stadt. Menschen grüßen uns, winken aus Rikshas, schütteln uns die Hände, wollen uns Dinge verkaufen, sind freundlich. Wann immer wir etwas fragen kommen Menschen die uns helfen wollen.

Ahmedabad (4)Wir fahren Riksha. Es wird gehupt und gedrängelt. Von 100 Mobilen, sind 49 Rikshas, 49 Motorräder und zwei Autos. Wir haben Spaß. Winken anderen Riksha Fährgästen, sie machen Fotos von uns, wir machen Fotos von ihnen.
Wir steigen aus, der Fahrer muss uns falsch verstanden haben, wir stehen vor einer Moschee. Wir lassen unsere Schuhe am Eingang, passieren das Tor, plötzlich ist es ruhig. Ein großer Platz. In der Mitte ein Steinbecken voll Wasser. Muslime waschen sich Gesicht und Füße. An einem Ende des Platzes die Moschee, Säulen, Teppiche, ein betender Muslim. Aus dem Lautsprecher schallt es Allah Akbar. Wir genießen für einen Moment die Ruhe des Ortes und schmeißen uns wieder ins Getümmel.

Eine Straße voll von Marktständen, voll von nützlichen und absurden Dingen, Kleider, Messer, Unterwäsche, Wasserpistolen, Spielzeug, Stühlen, Schmuck. vVoll von Menschen, Frauen, Männern, Kindern, in indischen Gewändern, verschleiert, mit Hauben und Bärten. Leute bleiben stehen, sprechen mit uns, schütteln uns die Hände, klopfen ihren Nachbarn auf die Schultern und zeigen mit den Fingern auf uns. Eine kleine Gasse zweigt ab. Die gleiche Anzahl an Ständen, Waren und Menschen auf engstem Raum. Wir verlieren uns aus den Augen, finden uns wieder, lassen uns treiben, ich lächle, winke, schüttle Hände. Ich fange an mich in Indien zu verlieben. Bei einer Schule kommen gefühlte hundert Kinder auf uns zugelaufen, wollen unsere Namen wissen, unsere Hände schütteln, wollen Dollars, wollen Rupies, umzingeln mich, ziehen an meiner Kleidung, ich entkomme, lächle und winke.

Wir fahren Riksha, haben Spaß, laufen, entlang eines Slums, einige Kinder kommen gelaufen, lachen, ein kleiner Junge bietet mir Beeren an. Ein älterer Mann weist uns den Weg. Zum Ashram, Gandhis ehemaligen Hauptquartier in Indien, einem Tempel und Museum. Einige leere Steinhütten, Bäume, Schatten, winzige Eichhörnchen, die über den Platz schwirren, Krähen, die sich mit den Hörnchen um Körnchen streiten.

In einer Hütte sitzt eine alte Frau, eine junge Frau und ein Alter an einem Spinnrad. Die Junge sagt sie mag meine Piercings, fragt woher ich komme, wir quatschen. Ich setz mich zu ihr. Sie hat mal als IT-Administrator gearbeitet, mochte den Job nicht, jetzt arbeitet sie im Museum, im Archiv, weiß alles über Gandhi. Sie hat dunkle dunkle Augen, ich mag ihre Stimme. Sie bittet den Mann mir das Spinnen zu zeigen und ich lerne Faden zu machen, das Rad langsam zu drehen, die Baumwolle zu ziehen, den Faden ein zudrehen, auf aufzurollen. Der man gibt mir zwei Baumwollstücke, verschwindet. Ich spinne, drehe das Rad, ziehe, jedes mal reißt der Faden. Ich sitze und spinne, die junge Frau lacht mich aus, sagt mir, er lässt sie nie so viel Baumwolle verschwenden. Er kommt wieder, sagt mir für heute bin ich fertig, wenn ich das nächste mal komme soll ich weiter spinnen. Nach dem Hindu Kalender ist heute Gandhis Geburtstag, es kommen weitere alte Männer mit Spinnmaschinen in den Tempel, das leere weiße Haus. Sie muss weiterarbeiten, bringt uns ins Museum, erklärt uns wo was ist, ich lausche ihrer schönen Stimme.

Ich erkunde die Räume, lese Zitate, betrachte Bilder. Die Räume sind ruhig, ich bin bewegt, kauf mir eine Gandhi Postkarte.
Zwei Mädchen, lächeln und winken mir, verschwinden, tauchen wieder auf lächeln und winken. Als wir nach draußen gehen fragen sie mich ob sie ein Foto mit mir machen dürfen. Wir steigen in eine Riksha, die Mädchen und ihre Familie winken uns zum Abschied. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, der Rikshafahrtwind bläst mir ins Gesicht, es ist laut, es wird gehupt, die Straßen sind voll gestopft. Ich fang an mich in Indien zu verlieben.

Ahmedabad (1)Zu Abend essen wir ausnahmsweise nicht billig sondern günstig. Wir werden bedient wie im Edelrestaurant, unsere Becher werden nachgefüllt, wir bekommen Brot gereicht. Neben unserem Tisch steht immer ein Inder in weißem Gewandt mit Turban und fragt ob wir noch Wünsche haben. Ich platze fast, esse nichts auf, bestelle trotzdem eine Nachspeise. Trinke einen Schwarztee. Wir dürfen in ein Gastbuch schreiben. Auf die Frage ob er eine Shishabar in der nähe kenne, holt der Kellner den Chef, er erklärt das Shishas in dieser Region verboten sind, weil sie von zu vielen zum Haschisch rauchen verwendet werden. Zum Alkohol kaufen braucht man eine Lizenz. Wir bedanken uns für das leckere Essen, er sich bei uns, bringt uns nach draußen. Wir fragen ob er eine Bar in der nähe kennt, in der wir Kartenspielen und rauchen können. Natürlich gerne, gleich hier bei ihm auf der Terrasse, er bringt uns wieder rein, bringt uns einen Tisch, bringt uns Schwarztee. Wir fangen an zu spielen. Er kommt zurück, es tue ihm sehr sehr Leid, er habe uns falsch verstanden, hätte gedacht wir wollen Instrumente spielen, diese Region sei sehr konservativ, das Kartenspielen sei verboten, weil zu viele um Geld spielen, wir könnten gerne noch 10, 15 Minuten spielen, wenn es nach ihm gehe die ganze Nacht, aber er wolle nicht das wir Probleme mit der Polizei bekämen. Wir beenden unser Spiel, einer der Turbankellner kommt an unseren Tisch, als keiner guckt zeigt er uns stolz seine Spielkarten und lässt sie wieder in seiner Tasche verschwinden. Der Tee geht aufs Haus, wir bedanken uns herzlich, ich bin beeindruckt von der Gastfreundschaft, auf dem Heimweg in der Riksha fange ich an mich in Indien zu verlieben.
Zum einschlafen höre ich MsMr.



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